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Stachelige Rose,
sanftes Röschen
stolze Rosenknospe
spitze Rosendorne
schwingender Rosenbusch
sehnsüchtige Rosenlust
Diese Rose von heimlichen Küssen schwer:
Sieh, das ist unsre Liebe.
Unsre Hände reichen sie hin und her,
unsere Lippen bedecken sie mehr und mehr
mit Worten und Küssen sehnsuchtsschwer,
unsere Seelen grüßen sich hin und her -
wie über ein Meer – wie über ein Meer -
Diese Rose vom Duft unsrer Seleen schwer:
sieh, das ist unsre Liebe.
Christian Morgenstern
Die Rosen in der Vase schütteten purpurne Schwermut auf den Boden.
Betrübt ist die stolze Rose, als der kleine Prinz sie verlässt. Aber ihr Stolz lässt es nicht zu, es ihm zu zeigen.
Auch die Rosenlust ist eine stolze, erregende Blume. Aber an manchen Tagen verlässt sie die Lust, und sie ist viel zu stolz das zuzugeben. Eine Rosenlust ganz ohne Lust? Was wäre das denn für ein Leben? Wer sollte sie denn sein, wenn ihr das Wichtigste fehlte. Die Liebe, die Erregung, die Sexualität, die Zärtlichkeit – ohne Lust bleibt alles blass und fad. Selbst die Freundschaft ist ohne Lust so oberflächlich und langweilig. Ohne Lust ist das Leben grau und die Miesepeter machen sich plötzlich breit. Wo sie noch Raum lassen, ziehen die Bedenkenträger ihre Kreise und wenn sie versucht sich in sich selbst zurückzuziehen, wird sie von schrillen, nörgelnden Stimmen aufgescheucht.
Ohne Lust verdörrt die Rosenlust einsam und unzufrieden mit sich und der Welt, wie die stolze Rose, die ohne den kleinen Prinzen nicht leben kann und ihn doch dazu bringt, dass er seinen kleinen Planeten verlässt.
die weitgeöffneten Rosenblätter feucht betaut
Noch zaghaft und verschämt versteckt sich die Knospe, die an dieser Stelle schon bald ihre Blüte entfaltet. Romantisch und erotisch wird die Atmosphäre hier werden. Ein bißchen Kitsch ist erlaubt - wenn er die Lust nicht erstickt.

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