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Er roch so erwachsen. Männlich.
Noch jahrelang war sie auf der Suche nach diesem Geruch. Sie fand ihn nie wieder. Manchmal glaubt sie ihn zu erahnen und ist gerührt. So wie andere, wenn im Radio ihr Liebeslied gespielt wird.
So wenig konnte sie von ihm haben. Sie durfte nicht sprechen mit ihm und ihn nur heimlich und verborgen ansehen. Aber manchmal konnte sie in seiner Nähe bleiben und ihn einatmen. Seinen Geruch in sich aufnehmen und ihn sich in die Erinnerung brennen.
Stefan lauscht. Er hatte die Musik extra angestellt, denn dann gingen sie schneller von seiner Tür weg. Nicht dass sie rein kämen! Nein, das hat er ihnen endlich ausgetrieben, aber ohne die Musik kamen sie immer noch ein paar Mal vor seine Tür und lauschten. Einzeln. Selbstverständlich. Sie machen ja nie etwas gemeinsam. Mit der Musik jedenfalls war er sie jedenfalls immer schnell los. Und Leonie war schon eingeschlafen.
Ein Griff unter das Bett. Das Bein hochgestellt und tief durchatmen. Ganz exakt drückte er die Scheibe auf, verstärkte noch einmal den Druck und zog sie schnell durch die Wunde. Er spürte die Erleichterung. Warm und weich floss das Blut am Bein entlang. Wie Samt.
Die Ratlosigkeit in der Pubertät. Das Staunen über den Drang der männlichen Sexualität. Das leise Winseln, der treue Blick, die vorübergehende Anhänglichkeit. Das Hinterhertrotteln. Angespannt, erwartungsvoll.
Es geht leicht von der Hand. So schnell ist es vorbei. Ganz kurz ist das Glück und das Strahlen. Eine kleine Geste der Dankbarkeit. Die Freundschaft brüderlich erneuert. Ein schwesterliches Teilen war damals noch verpönt.

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