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Vielleicht lesenswert? Das Interview auf SPON mit Charlotte Roche macht neugierig.

Roche: Eine Grundidee war: Hass auf Parfums, Hass auf Deos. Als Menschen sind wir ursprünglich darauf angelegt, im Geruch des anderen den potentiellen Sexualpartner zu suchen und zu erkennen. Indem wir uns künstlich parfümieren, nehmen wir uns eine Quelle der Lust. Ich möchte das Geschlechtsteil des Mannes durch seine Hose hindurch riechen.

«Bald wirst Du jetzt zweiundachtzig sein. Du bist um sechs Zentimeter kleiner geworden, Du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist Du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe Dich mehr denn je. Kürzlich habe ich mich von neuem in Dich verliebt, und wieder trage ich in meiner Brust diese zehrende Leere, die einzig die Wärme Deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag».

So beginnt der französische Sozialphilosoph André Gorz sein Buch „Brief an D.“, das er seiner Frau Dorine gewidmet hat. Man könnte auch sagen, dass er es ihrer gemeinsamen Liebe gewidmet hat. Die Rosenlust ist fasziniert davon, wie er es schafft, in diese einfachen Worten, all die Sinnlichkeit und Wärme zu packen, all das Verlangen, das über die Jahrzehnte nicht verloschen ist.

Liebe im Alter, wer je Zweifel daran hatte, darf beruhigt darauf vertrauen, dass es sie gibt.

Die Rosenlust lässt sich von seiner Stimme verzaubern. Von seinen Worten ins Reich der Sinne begleiten. Sie lässt sich Geschichten und Träume erzählen, und mit Märchen aus Tausendundeine Nacht verführen.

Liebesreisen, Liebesnächte, Liebeswochenende. Alles, alles will sie hören in den erotischen Stunden.

Nur die Geschichte vom verlorenen Schlüpfer, die lässt sie kalt.

den Liebsten küssen
bevor die Sonne untergeht
die Seele schenken

beginnt oft sehr leise. So leise, dass es mancher überhört. Die Zwischentöne, das langsame Balzen, das Schwingen im Leib, das Fließen der Säfte: ganz leise schleicht es sich an.

Ach was! Mit einem großen Knall, fällt die Lust über dein Leben her. Im großen Getöse wirbelt sie dein Herz und deinen Verstand durcheinander. Laut, ganz laut ist das Spiel mit der Lust.

Nein, ganz sanft und ganz zart. Auf Zehenspitzen schleicht sie sich fast lautlos in dein Leben. Schwebt mit dir fort, durch tausend Träume. Das Spiel mit der Lust findet im verborgenen statt. Unbeobachtet. Ein geheimer Schatz.

Oh, nein! Das Spiel mit der Lust braucht Publikum. Alte und neue Bekannte, Fremde und Freunde. Die ganze Welt. Es bringt die Welt in Schwung, wirkt ansteckend und erheiternd. Feiert den Augenblick.

Es ist wie du bist. Mal heiter, mal entrückt. Wie dein Leben ist das Spiel mit der Lust.

mit Fingerspitzen
über die Brüste streichen
Verlangen nach mehr

erregt
voll Wonne
mein Schoß bereit
gebe mich dir hin

jederzeit