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Er roch so erwachsen. Männlich.

Noch jahrelang war sie auf der Suche nach diesem Geruch. Sie fand ihn nie wieder. Manchmal glaubt sie ihn zu erahnen und ist gerührt. So wie andere, wenn im Radio ihr Liebeslied gespielt wird.

So wenig konnte sie von ihm haben. Sie durfte nicht sprechen mit ihm und ihn nur heimlich und verborgen ansehen.  Aber manchmal konnte sie in seiner Nähe bleiben und ihn einatmen. Seinen Geruch in sich aufnehmen und ihn sich in die Erinnerung brennen.

Bei der Wilden Orchidee wird über Sex gesprochen.

Über Sex miteinander zu reden, im Ernst und im Spaß, aus Lust und aus Gewöhnung, über Banales oder Peinlich-Schamhaftes – das ist ein Kunst, die nicht viele Menschen beherrschen.

Es lohnt sich, diese Kunst zu erlernen.

Über Sex reden heißt manchmal auch zuhören. Der Patnerin oder dem Partner zuhören und ihm Fragen stellen. Es bedeutet sehr oft, dass man sich eine gemeinsame Sprache schaffen muss. Worte, die für beide das prikelnde Gefühl auslösen. Wenn es das eine nicht ist, dann findet sich vielleicht ein anderes. Manchmal kommt man mit Fragen weiter und manchmal verirrst du dich vor lauter Fragen im Nebel.

Was sich nicht sagen lässt, lässt sich vielleicht manchmal schreiben. Oder zeigen.

Um den Schlaf gebracht

in dieser langen Nacht

festgehalten in deinem Arm

losgelassen im Reich der Sinne

Traumwelt der Liebe

und Körperlichkeit

Er sollte mich nicht ansehen.

Er sollte mich nie so ansehen, denn sein Blick verspricht, was er nicht halten wird. Seine Hand liegt weich auf meinem Arm, kaum berüht sie mich. Aber greifen sollte er nach nach mir! Mich greifen, packen, festhalten, kneifen, kneten.

Oh, wie ich mich sehne, nach einer starken Hand.

Lotosantlitz

schneeige Frische, Eisesschimmer über feinen Gliedern

eine halberschlossene Pflaumenblüte

lehnt sie an der Türe Pfosten

wie sie unterm Vorhang spähend

seinem Blick zum ersten Mal begegnet

schämiges Rot die Wangen überflutet

doch sie bleit!

ihn aber treibst Read the rest of this entry »

vor dir

möchte ich nieder sinken

befreit

für alle Ewigkeit

gehöre ich dir

mit allen Sinnen

mit aller Liebe

will ich nieder sinken

nimm mich

nimm alles was du willst

nimm mich

ich gebe mich dir hin

Diese Rose von heimlichen Küssen schwer:

Sieh, das ist unsre Liebe.

Unsre Hände reichen sie hin und her,

unsere Lippen bedecken sie mehr und mehr

mit Worten und Küssen sehnsuchtsschwer,

unsere Seelen grüßen sich hin und her -

wie über ein Meer – wie über ein Meer -

Diese Rose vom Duft unsrer Seleen schwer:

sieh, das ist unsre Liebe.

Christian Morgenstern 

Hinten am Horizont sieht Judith schon einen hellen Schimmer. Die Sonne wird bald aufgehen. Es sind nur noch 18 km, dann ist sie im Dorf. Was wird sie dann tun? Sie fährt die Landstraße entlang, vorbei an den Gemüsefeldern. Sie biegt ab in einen Feldweg und ruckelt über den holprigen Weg entlang. Die Nacht hat die Luft etwas abgekühlt, aber immer noch ist es schwül. Sie fährt noch ein Stück, biegt ein paar Mal ab. Dahinten sind Pappeln, bestimmt ist dort ein kleiner Bach. Sie wird das Auto abstellen und ein bisschen schlafen. Einfach die Rücklehne zurückstellen und schlafen.

Als sie das erste Mal miteinander schliefen, war das auch im Auto. Irgendwo im Feld. Nur Pappeln standen keine dort und warm war es auch nicht. Es war klirrend kalt.

Noch weiß sie nicht richtig, was sie tun wird, wenn sie angekommen ist. Zuerst einen Ort suchen an dem sie ein paar Tage bleiben kann und dann das Haus – ihn.

(Hier geht es weiter mit der Sommergeschichte.)