Nicht lange nachdem Leonie oben in ihrem Zimmer eingeschlafen war, lagen auch ihre Eltern im Bett. Nacheinander sahen sie kurz nach der schlafenden Leonie, aber vor der Zimmertür ihres Sohnes zögerten sie. Sie hörten leise Musik im Zimmer spielen, aber Stefan stören, das traute sich keiner von beiden. Seit Wochen waren seine Aggressionen für alle in der Familie eine große Last. Es war besser, ihm heute abend keinen neuen Anlass für einen seiner Ausbrüche zu bieten.

Sie lagen schweigend nebeneinander im Bett und fühlten sich elend. Sie hatten schon seit vier Monaten nicht mehr miteinander geschlafen. Seit Nadines letzten Geburtstag. An diesem Abend waren sie zum Essen aus gewesen und im Nachbarraum spielten die Jugendlichen Billard. Es waren ein Päarchen und zwei Jungen, die abwechselnd spielten und in jeder Pause, wandte sich das Päarchen einander zu. Sie knutschten ausgiebig miteinander, bis die anderen Jungen sie mit derben Sprüchen wieder zum Billardtisch riefen. Die ganze Zeit waren sie eng aneinander geschmiegt und der Junge versuchte das Mädchen immer sehr dicht an seinem Schoß zu halten, was das Mädchen sichtlich genoss. Sie rutschte auf seinem Schoß entlang, und nur wenn er sich unter ihrem T-Shirt etwas zu heftig an ihr zu schaffen machte, reagierte sie, in dem sie sich so lange wand, bis seine Hände keinen Halt mehr fanden.

“Muss Liebe schön sein”, spöttelte Nadine damals. Aber nachts im Bett war sie erregt und schlief mit ihm. So sehr hatte sie der Anblick der knutschenden Jugendlichen angeheizt.

Heute lagen sie wie so oft rat- und sprachlos nebeneinander und ahnten nicht, mit welcher Heftigkeit das Schicksal ihr Leben durcheinander wirbeln sollte, nur weil sich in 200 km Entfernung gerade eine Träumerin auf den Weg zurück ins Dorf machte.

(Hier geht es weiter mit der Sommergeschichte.)